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Sonderveröffentlichung
Themenspecial Abschied

Der Tod gehört zum Leben

Bestatter: Sie sind täglich mit dem Tod konfrontiert / Leben verändern und Menschen helfen

Auch wenn sie sich jeden Tag mit dem Thema Sterben auseinandersetzt – Alltag wird es für die angehende Bestatterin Dorina Spannenberger nicht. BILD: DPA

9.03.2022

Bestatter sind täglich mit dem Tod konfrontiert. Alltag wird der Umgang mit Verstorbenen dennoch nicht. Die meisten Auszubildenden wissen aber, worauf sie sich einlassen.

Gerade jüngere Menschen haben oft eher wenige Berührungspunkte mit dem Thema Sterben. Für Dorina Spannenberger war das kein Grund, sich nicht beruflich damit auseinandersetzen: „Der Tod gehört zum Leben dazu. Wir haben einen Anfang – den begleitet die Hebamme – und ein Ende. Das begleitet der Bestatter“, sagt sie. In ihrer Ausbildung zur Bestattungsfachkraft kümmert sich die 33-Jährige nicht nur um die lebenden, sondern auch die verstorbenen Menschen.

Trotz genormter handwerklicher Abläufe ist es keine Routinearbeit, sagt Spannenberger: „Jede Beerdigung und jede Trauerfeier sind individuell und einzigartig.“ Nach ihrer Ausbildung zur Konditoreifachverkäuferin hat Spannenberger verschiedene soziale Praktika gemacht–zuletzt in dem Bestattungsunternehmen „Trostschmiede“ in Kaufbeuren, wo sie nun den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolviert.

Angefangen hat sie mit Büroarbeit, später durfte sie zu den Abholungen in Krankenhäusern und Altenheimen mitfahren. Nach etwa zwei Monaten passierte ein tragischer Unfall, bei dem ein kleines Mädchen ums Leben kam. „Wir haben rund 90 Stunden bei der Familie verbracht“, sagt Spannenberger. „Diese Situation hat mir gezeigt: Ich kann das. Ich kann diesen Menschen helfen.“

Unausgesprochenes hören und verstehen

Zwischenmenschliche Kompetenzen wie Einfühlungsvermögen für die besondere Situation von Trauernden sind für angehende Bestatter besonders wichtig. Das findet auch Spannenberger entscheidend: „Es ist wichtig, zu hören, was die Leute sagen und auch, was sie nicht sagen. Genau das macht es oft aus.“

Die hygienische Versorgung der Leichname ist ebenfalls Teil der Ausbildung. Ein spezielles Regelwerk schreibt Bestattern genau vor, wie Verstorbene zu waschen und zu desinfizieren sind. Für Spannenberger ist das keine rein handwerkliche Tätigkeit: „Es ist einem schon bewusst, dass da ein Mensch liegt. Ich habe aber auch schnell gemerkt, da ist niemand mehr da. Es ist eine menschliche Hülle.“ Berührungsängste hatte sie jedoch keine: „Der erste Verstorbenen, den ich gesehen habe, hat tatsächlich gelächelt. Es war ganz ruhig und friedlich.“ Sie sehe sich mittlerweile als reflektiert und akzeptiere den „Fluss des Lebens“, aber: „Normal ist der Tod trotzdem nicht.“ Es sei immer wieder ein schwieriges Thema.

Spannenberger möchte nach ihrer Ausbildung noch einen Meister machen. Das Fachwissen sei bei diesem facettenreichen Beruf wichtig. Es sei aber auch ein Beruf, den man nur mit Überzeugung machen könne. „Es ist einfach eine unglaublich sinnvolle Arbeit. Wenn man diesen Beruf gut macht, kann man Leben verändern und Menschen helfen.“
  

Was ist zu tun? – Eine Checkliste

Stirbt ein Angehöriger, so müssen trotz Bestürzung und Trauer zeitnah einige konkrete Schritte unternommen.

Diese Checkliste – die keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit erhebt – soll helfen, einige wichtige Aufgaben Schritt für Schritt abzuarbeiten:

■ Als Erstes ist ein Arzt zu verständigen, der den Tod feststellen muss und eine Todesbescheinigung ausstellt. Diese Bescheinigung braucht unter anderem das Bestattungsunternehmen, um tätig werden zu können.

■ Ein Bestattungsunternehmen verständigen. Der Tote darf bis zu 36 Stunden zu Hause bleiben, das weitere Vorgehen und der Termin für die Beisetzung sollten aber zeitnah mit dem Bestatter besprochen werden. Dieser kann auch helfen, in den folgenden Stunden und Tagen mit den entsprechenden Stellen – Standesamt der Kommune, Kirche, Zeitung, Friedhofsverwaltung, etc. – Kontakt aufzunehmen.

■ Unterlagen des/der Verstorbenen heraussuchen: Für die nun anstehenden Aufgaben werden folgende Dokumente benötigt und am besten in einer Mappe sicher zusammengefasst: Personalausweis – Geburtsurkunde – Todesbescheinigung des Arztes (siehe oben) – Familienstammbuch beziehungsweise Heirats- oder Lebenspartnerschaftsurkunde – Rentenversicherungsnummer – Mitgliedskarte der Krankenkasse.

■ Für die Organisation der Bestattung sind folgende Unterlagen wichtig, sofern sie existieren: Nutzungsrecht für eine Grabstelle Willenserklärung des Verstorbenen zu seiner eigenen Bestattung Bestattungsvorsorge-Dokumente.

■ Meldung des Sterbefalls beim Standesamt der Kommune

■ Meldung des Sterbefalls bei der Krankenversicherung des/der Verstorbenen

■ Trauerfeier und Bestattung organisieren: Erster Ansprechpartner ist auch hier das Bestattungsunternehmen, das bei der Terminfindung und bei der Klärung der erforderlichen Fragen – etwa beim Pfarramt oder der Friedhofsverwaltung – helfen kann.

■ Todesanzeige in der Zeitung: Wenn die Termine für Trauerfeier und Bestattung feststehen, kann eine Todesanzeige in der Zeitung geschaltet werden. Die Anzeige sollte in der Regel zwei Tage vor der Beerdigung erscheinen.

■ Leichenschmaus oder Trauerkaffee: Falls es nach der Beerdigung noch eine Gelegenheit zur Zusammenkunft der Trauernden mit einem Essen oder einem Imbiss geben soll, lässt man sich am besten von örtlichen Gastronomen oder Catering-Unternehmen helfen.

■ Blumenschmuck bestellen

■ Druck von Sterbebildern und Trauerkarten veranlassen

■ Verwandte und Bekannte über den Zeitpunkt von Trauerfeier und Beerdigung informieren

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