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Mikromobilität attraktiver machen

E-Scooter sind mittlerweile fast überall zu sehen – im Vergleich zum Fahrrad und E-Bike haben sie sich aber noch nicht auf breiter Basis durchgesetzt

Die vor einigen Jahren zugelassenen E-Scooter sind mittlerweile fast überall zu sehen – im Vergleich zum Fahrrad und E-Bike haben sie sich aber noch nicht auf breiter Basis durchgesetzt. BILD: DPA

15.07.2022

Unsichere Radwege, allzu wagemutige Fahrmanöver oder Konkurrenz zum ÖPNV: Die Bedenkenwaren groß, als E-Scooter auch in Deutschland auf die Straßen durften. Ihre Verbreitung ist inzwischen groß, doch dem klassischen Fahrrad können sie noch nicht ganz das Wasser reichen.

Die vor rund drei Jahren zugelassenen E-Scooter sind mittlerweile fast überall zu sehen – im Vergleich zum Fahrrad und E-Bike haben sie sich aber noch nicht auf breiter Basis durchgesetzt. Das legen Ergebnisse einer Umfrage der Beratungsfirma Boston Consulting und der Universität St. Gallen unter etwa 1300 Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland nahe. So werden die elektrischen Roller bisher meist nicht so häufig genutzt wie beispielsweise normale oder mit zusätzlichem E-Motor betriebe Räder.

Bei der kombinierten Verwendung mit einem öffentlichen Verkehrsmittel kommen sie hingegen schon dichter an die Rad-Werte heran. Die Autoren der Analyse plädieren dafür, die verschiedenen Alternativen in der „Mikromobilität“ einzelner Städte oder Orte besser zu integrieren.

Mehrmals pro Woche

Bei der Befragung gaben sieben Prozent der deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, einen E-Scooter mehrmals pro Woche zu nutzen. Jeder Zehnte tut dies immerhin mehrere Male pro Monat, die große Mehrheit von 83 Prozent nur einmal monatlich bis nie. Das klassische Fahrrad ziehen viele Menschen für kurze Strecken vor: 39 Prozent nehmen es mehrmals pro Woche, 22 Prozent mehrmals pro Monat und 39 Prozent einmal pro Monat bis gar nicht. Das E-Bike kam in der Umfrage zur Nutzungshäufigkeit auf entsprechende Werte von 12,9 und 79 Prozent.

Weniger groß sind die Abstände zwischen E-Scooter und normalem Drahtesel, wenn man die Kombi-Nutzung mit ÖPNV-Angeboten betrachtet. Hier gaben zum Beispiel fünf Prozent an, dies täglich zu tun, 23 Prozent mehrfach in jeder Woche und 34 Prozent mehrfach pro Monat. Beim Fahrrad liegen die Werte mit 9,24 und 38 Prozent nur leicht höher. Beim E-Bike sind es 7,33 und 26 Prozent. Auffällig außerdem: E-Scooter-Nutzer fahren vergleichsweise oft vorher oder nachher auch mit der U-Bahn, der Straßenbahn oder dem Bus, weniger aber mit einem Regionalzug über längere An- und Abreisewege.

Abo-Modelle sind ausgeprägt

Die Eigentumsformen unterscheiden sich ebenfalls. Während sich Verbraucher ein herkömmliches Fahrrad noch vorwiegend selbst anschaffen (65 Prozent), ist der Kauf bei E-Bikes (14 Prozent) und erst recht bei E-Rollern (acht Prozent) seltener. Bei Letzteren sind Sharing- oder Abo-Modelle etwas ausgeprägter. Insgesamt wurden rund 11 000 Menschen in zehn Ländern befragt. Auch E-Mopeds kamen als Kategorie vor, diese sind jedoch vor allem in Asien populär.

Der Wunsch nach sicherer Mobilität in Corona-Zeiten, die Klimadebatte und die gestiegenen Spritpreise bedeuteten große Chancen für die „Mikromobilität“, so die Autoren. Aber Angebote für E-Scooter, E-Bikes oder E-Mopeds müssten stärker mit anderen Verkehrsträgern verschränkt werden, etwa durch gemeinsame Dienste. Sonst werde es ihnen nicht gelingen, von der reinen Mode zum „Mainstream“ zu werden. JAN PETERMANN
 

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