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Themenspecial Neubaugebiete & Immobilien der Region

Welche Rolle spielt das Alter?

Baufinanzierung: Geldinstitute haben die Vorzüge des Ü-50-Klientels erkannt / Flexible Finanzierung beantragen

Das Alter ist in der Regel kein Hinderungsgrund bei der Immobilienfinanzierung. Die Laufzeit muss aber gut geplant werden. BILD: DPA

22.01.2021

50 ist das neue 30 – das gilt nicht nur für den runden Geburtstag, sondern auch bei der Baufinanzierung. Ü-50-Kunden sind heute meist so beliebt bei den Banken wie früher die jüngeren Kunden.

Vorbei die Zeiten, da ältere Menschen allein wegen der Anzahl ihrer Lebensjahre fürchten mussten, keinen Kredit mehr zu bekommen. Heute haben die Geldinstitute die Vorzüge dieser Klientel erkannt. Und es gibt klare Vorschriften, wie mit älteren Kunden umzugehen ist.

Alter allein ist kein Kriterium

Das Alter allein ist kein Hinderungsgrund für die Kreditvergabe, fand die Stiftung Warentest Anfang des letzten Jahres bei einer Umfrage unter 73 Baufinanzierern heraus. Auch die Verbraucherzentrale Bremen beobachtet diesen Trend. „Wenn ein Kredit abgelehnt wird, dann eher aus Bonitäts- als aus Altersgründen“, sagt Beraterin Anke Behn.

Sparkasse Neckartal-Odenwald

Da aber das Alter ein wichtiges Merkmal bei der Ermittlung der Bonität ist, fließt es indirekt eben doch in die Bewertung der Kreditwürdigkeit ein. „Man kann ja nicht drumherumreden, dass die verbleibende Lebenserwartung von über 50-jährigen im Durchschnitt deutlich geringer ist als bei 20- oder 30-Jährigen“, sagt Dirk Stein vom Bundesverband deutscher Banken. Die Laufzeiten für Ältere fielen in der Regel kürzer aus als bei jüngeren Kunden.

Es gibt kein offizielles Höchstalter für die Vergabe von Immobilienkrediten. „Den EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinien zufolge müssen Banken jedoch darauf achten, dass der Darlehensnehmer seine Kreditschulden innerhalb seiner statistischen Lebenserwartung vollständig zurückzahlen kann.

Häufig nehmen Banken den 75. Geburtstag des Kreditnehmers als Datum, bis zu dem der Kredit für Rentner getilgt sein muss“, erklärt Kai Weber von der Dr.-Klein-Baufinanzierung. Wer also mit Mitte 50 ein Haus finanzieren will, hat noch Zeit.

Allerdings hat die EU-Immobilienkreditlinie auch Nachteile für ältere Kunden. „Im Gegensatz zu der Zeit davor werden die Lage der geplanten Immobilie, der Wert bereits vorhandenen Wohneigentums oder die Lebenslage des potenziellen Kreditnehmers nicht mehr berücksichtigt.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Kreditwürdigkeit und dem Alter“, betont Kai Weber.

Laufzeit der Finanzierung gut planen

Eigentümer, die im höheren Alter eine Baufinanzierung in Angriff nehmen, sollten sich bewusst sein, dass sich mit ihrem Renteneintritt die finanziellen Verhältnisse ändern. In vielen Fällen ist das monatliche Budget dann deutlich kleiner als vorher. „Ziel sollte sein, im Alter von 65 oder 67 Jahren die Baufinanzierung möglichst vollständig abgeschlossen zu haben“, rät Kai Weber.

Das sieht auch Verbraucherschützerin Anke Behn so. „Manchen Kreditnehmern ist nicht bewusst, wie viel geringer die Rente im Vergleich zum bisherigen Einkommen sein wird. Dadurch könnten einige dann in finanzielle Schwierigkeiten geraten.“

Flexibilität ist wichtig

Wer darauf angewiesen ist, den Kredit über das Renteneintrittsalter hinaus abzuzahlen, sollte eine flexible Finanzierung vereinbaren. Es gibt die Möglichkeit, nach dem Rentenbeginn deutlich geringere Raten zu zahlen als vorher. Der Kunde kann durchaus für die ersten Jahre der Kreditlaufzeit, wenn er noch im Arbeitsleben steht, höhere Raten vereinbaren. Geht er dann in Rente, sinkt die Ratenhöhe. Auch ein Tilgungssatzwechsel oder Sondertilgungen sind möglich, zum Beispiel, wenn eine Lebensversicherung fällig wird. So sinkt die monatliche Belastung im Alter. „Allerdings muss der Kunde diese Flexibilität der Finanzierung vor Vertragsabschluss mit der Bank vereinbaren. Später lässt sich das nicht mehr nachholen“, sagt Stein. dpa
 

Altes Modell, neu belebt

Bausparen bringt Vorteile

Bausparen ist weder unmodern noch schwierig. Es eignet sich als Baustein der Vermögensbildung und zur Altersvorsorge durch den Erwerb von Wohneigentum. Deshalb wird es seitens des Staates ab 2021 besser gefördert. Um die staatliche Wohnungsbauprämie erhalten zu können, braucht man ein Bausparkonto. Das gibt es bei den öffentlichen und privaten Bausparkassen. Einige Banken haben eigene Bausparkassen und vertreiben deren Verträge über die Filialen.

Warum sollte man auf Geld verzichten, das der Staat freiwillig zur Verfügung stellt? Neben den steuerlichen Aspekten hat das Bausparen auch noch andere Vorteile. Man kann sich vermögenswirksame Leistungen (VL), die der Arbeitgeber nach dem Vermögensbildungsgesetz gewährt, auf das Bausparkonto überweisen lassen. Ob tatsächlich später ein Kredit in Anspruch genommen oder das Guthaben nach Zuteilung ohne Kredit verwendet wird, entscheiden die Sparenden. Der Staat fördert die jährliche Einzahlung mit 10 Prozent. Das ergibt maximal 70 Euro bzw. 140 Euro bei Verheirateten pro Jahr. Sparzinsen werden dabei als Einzahlung gewertet.

Wer nicht monatlich spart, kann seine Einzahlung bis Dezember aufschieben. Günstiger ist es aber, Beträge regelmäßig zu sparen. Für die Prämien gelten Höchstbeträge des zu versteuernden jährlichen Einkommens. Sie liegen bei 35 000 bzw. 70 000 Euro für Verheiratete.

Wer neben dem Guthaben und möglichen Boni auch die Prämien ausgezahlt haben möchte, soll die wohnwirtschaftliche Verwendung auch dann nachweisen, wenn kein Kredit in Anspruch genommen wird. lps/Cb.

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